Elche – Wanderer in den Nordwäldern

| Text: Dr. Johanna Maria Arnold und Dr. Janosch Arnold |

Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über die borealen Wälder der Nordhalbkugel. Nach langer Zeit der Abwesenheit in Deutschland kehren die Elche nun auch nach Deutschland zurück. Doch dies ist nicht der einzige Grund, einen näheren Blick auf den größten Vertreter der Hirsche zu werfen.

In der späten Eisenzeit erlegten unsere Vorfahren Elche in den bayerischen Alpen, das zeigen aktuelle Knochenfunde in der Höhle Stiefelschacht bei Lenggries. Ein durch ein Projektil verursachtes Loch im Schulterblatt und zahlreiche Schnittspuren auf den Knochen belegen die frühe Elchjagd (Pasda et al. 2020). Elche kamen seit dem Pleistozän in Mitteleuropa und den Nordalpen vor (Breda & Raufuss 2016, Spötl et al. 2013), und auch noch im anschließenden Holozän lebten Elche in den bayerischen Alpen, wie Funde im Walchensee belegen (Pasda et al. 2020).

So gehörten Elche am Ende der letzten Eiszeit zu den ersten Großsäugern, die wieder nach Mitteleuropa einwanderten. Ihre Verbreitung reichte von den Pyrenäen bis nach Dänemark und von Österreich bis nach Großbritannien. Im anschließenden Präboreal setzte aus dem Südwesten kommend eine Rückzugsbewegung ein, zuerst über Frankreich und dann über England. Während des Atlantikums verschwanden die Tiere schließlich aus weiten Teilen Dänemarks; die Populationsdichten sanken im übrigen Mitteleuropa. Um das Jahr 0 gab es im Westen Mitteleuropas nur noch Reliktpopulationen, die im frühen Mittelalter erloschen. Nur im thüringischen Raum und nordöstlich der Elbe überdauerten einige Populationen bis ins späte Mittelalter. Veränderungen des Klimas und der Vegetation, die Entwicklung des Meeresspiegels, die zunehmende Be- und Zersiedelung der Landschaft durch den in seiner Population zunehmenden Menschen sowie dessen Weidetierhaltung und Jagdausübung entschieden über den Rückgang des Elches zu verschiedenen Zeiten (Schmölcke & Zachos 2005, Pasda et al. 2020).

Erhaltungszustand

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN stuft den Elch (Alces alces) als „nicht gefährdet“ ein, da die Mehrheit der Populationen trotz des starken Jagddrucks in Teilen ihres Verbreitungsgebiets wächst und die Art häufig vorkommt. Die eurasische Population wurde auf 1,5 Millionen Individuen geschätzt, ein Drittel davon besteht aus dem europäischen Bestand. Im Jahr 2002 wurde die Population der USA und Kanadas auf 1 000 000 geschätzt. Einzige Ausnahmen von dieser günstigen Einschätzung sind die seltene Unterart A. a. cameloides in der Mandschurei und der Mongolei und eine Population in Nova Scotia (A. a. americana), die Kanada als gefährdet eingestuft hat. Als ausgestorben laut Roter Liste der IUCN gilt der Elch in Österreich (Geist et al. 2008, Henttonen et al. 2008, Novak 1999, Timmermann 2003, IUCN 2020).

Geografische Verbreitung

Elche sind heute vorwiegend in den borealen Wäldern der nördlichen Hemisphäre zirkumpolar verbreitet. In Eurasien reicht die Verbreitung im Westen von Skandinavien und Finnland, Polen und der Tschechischen Republik bis nach Sibirien (Russland) im Osten. Das südliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich auf die Ukraine, Nordkasachstan, Nordchina und die Nordmongolei. In Nordamerika kommen Elche in weiten Teilen Alaskas und Kanadas sowie südlich der Grenze zwischen den angrenzenden USA und Kanada vor, erstrecken sich je-doch weiter südlich entlang der Rocky Mountains hinunter bis nach Utah und Colorado (IUCN 2020, ADW 2020). Faktoren, die ihre nördliche Verbreitung mutmaßlich limitieren, sind ausreichende Futter- und Schneehöhen von mehr als 70 cm Höhe. Warme Klimazonen mit höheren Temperaturen (die Literaturangaben reichen hier von 14 bis 27 °C) über einen längeren Zeitraum begrenzen ihre südliche Verbreitung. Aufgrund ihrer großen Körper, ihrer Unfähigkeit zu schwitzen und der durch die Fermentation im Darm erzeugten Wärme können sie Temperaturen über diesem Schwellenwert nicht länger tolerieren (Kelsall &Tefler 1974, Grubb 2005, Karns 2007, McCann et al. 2013).

Lebensraum

Elche kommen in einer Vielzahl von Lebensräumen in den kälteren nördlichen Regionen der Erde vor, allen gemein ist, dass sie eine saisonale Schneedecke aufweisen. So leben sie in den borealen Wäldern der kaltgemäßigten Klimazone, der Taiga einschließlich der Tundra der subalpinen Zone. Diese Wälder sind vor allem durch die Nadelbaumgattungen Fichten, Kiefern, Tannen und Lärchen geprägt. Meist sind diese großflächigen Wälder durchbrochen von Moorgebieten und Weichholzauen, die von Pionierpflanzen wie Pappeln, Birken, Espen und Weiden durchzogen sind. Feuer, Überschwemmungen, Gletschereinwirkung sowie Holzeinschlag sind Störungen in diesem Ökosystem, die Bereiche mit frühem Sukzessionsstadium schaffen. Diese Gebiete erhöhen die Qualität und Quantität der Elchäsung und werden von den Tieren bevorzugt aufgesucht. Sie entscheiden letztendlich über die Tragfähigkeit der Elchdichte in einer Region. Auch Gebiete in der Nähe von Gewässern, wie Teiche, Seen oder Flüsse der Sümpfe, werden von den Tieren gerne aufgesucht, dort konzentriert sich die Lieblingsnahrung der Elche: Wasserpflanzen wie Binsen, Wasserlinsen, Wassergräser und Algen sind leicht verdaulich und weisen einen hohen Natriumgehalt auf. Die Aufnahme dieses Minerals ist wichtig, um mögliche Ungleichgewichte im Mineralstoffhaushalt (bedingt durch die jahreszeitlichen Schwankungen in den Pflanzen selbst) auszugleichen (Bowyer et al. 2003, Peek 2007).

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