Erinnerungen in edlem Metall

| Text: Bertram Graf von Quadt |

Man sieht sie noch gelegentlich auf Gesellschaftsjagden. Zwischen den bekannten orangeroten Basecaps finden sich metallbewehrte Hüte mit vielerlei Ansteckern in den unterschiedlichsten Formen da-rauf: Jagdabzeichen. Sie erzählen Geschichten, sie dienen als Erkennungszeichen. HALALI-Redakteur Bertram Graf von Quadt traf sich mit einem der wenigen Hersteller dieser jagdlichen Kleinode: Friedrich von Meding.

„Das kannst du dir an den Hut stecken!“ Mit diesen Worten bekam ich als noch sehr junger Jäger mein erstes Jagdabzeichen von einem Onkel überreicht. Sein Sohn hatte mich über den Sommer einige Tage zur Jagd eingeladen, und ich kam aus dem Gebirgsgraben, in den man mich geschickt hatte, mit drei Stück Kahlwild und einem braven – wenn auch zu jungen – Bock wieder heraus. Es war ein kleiner, silberner Gegenstand: die Initiale des Familiennamens in einen Reif gefasst, mit Bruch verziert und vom Fürstenhut gekrönt. Ich trug es voller Stolz.

Wenige Jahre später wurde mir der Hut aus dem Auto gestohlen. Das war ein herber Verlust. Ich fragte artig beim Onkel an, ob ich mir das Abzeichen auf eigene Kosten nachmachen lassen dürfe. Die Antwort überraschte mich: „Nein. So was bekommt man, so was kauft man sich nicht. Und: Man bekommt es nur einmal.“ Damals begann ich zu ahnen, welchen Wert ein solches Abzeichen darstellt. Seitdem habe ich stets auf meinen Hut achtgegeben, und als er in späteren Jahren so schwer wurde, dass mir längeres Tragen Kopfschmerzen bereitete, habe ich alle Abzeichen abgenommen, sie auf ein eigens dafür angefertigtes, mit Stoff bespanntes Brett geheftet und nehme nun nur noch das oder die jeweiligen auf den Hut, deren zugehörige Jagden ich besuche.

Für schöne, gut gemachte Jagdabzeichen aus Silber oder noch edleren Metallen gibt es nur eine kleine Handvoll Hersteller. Die meisten von ihnen haben einen gewissen Kanon an Formen, aus denen dann auf Kundenwunsch ein Abzeichen komponiert wird. Und wenn man selbst neu auf einer Jagd ist – oder auf einer, auf der man schon öfter war, ein neues, unbekanntes Gesicht sieht –, geht der Blick zum Hut: „Ah, der war auch schon beim X, und beim Y war er auch – und weiters beim Z. Der kann kein schlechter Kerl sein.“ Mit etwas „Blick“ sieht man auch, von welchem Hersteller das Abzeichen wohl kommt: aus Wien aus der Reitschulgasse oder doch eher dort aus dem 4. Bezirk oder vielleicht aus Münchner Schlossnähe.

Seit einigen Jahren sah ich aber immer wieder Abzeichen, die ich bisher noch nie gesehen hatte und die einen eigenen Stil haben, eine eigene Formensprache. So begegnete ich Friedrich v. Meding eigentlich zum ersten Mal. Später traf ich ihn dann „virtuell“ auf Instagram, besser gesagt seine Firma „Jagdabzeichen.com“. Eines der ersten Abzeichen, das mir dort auffiel, war das Haupt eines groben Keilers auf dem Schild, das wie aus dem Vollen gearbeitet schien. Wenn man sich vorstellt, dass sich einer ein Keilerhaupt auf den Hut nagelt – eigentlich müsste das einen spontanen Schüttelreflex auslösen. Aber das Abzeichen war nicht protzig oder wuchtig, sondern einfach stimmig und schön. Ich beschloss, den Mann zu besuchen.

Wenn man über den Spessart kommt und sich dann Richtung Vogelsberg aufmacht, kommt man durch ein Tal mit sieben Mühlen. Eine davon liegt ganz tief unten am Bach. Hier lebt Friedrich von Meding mit seiner Familie, dem Hund und den Pferden. Neben dem Haupthaus liegt ein kleiner Fachwerkbau, sein Atelier: ein heller, lichter Raum mit großen Fenstern, ein Goldschmiedetisch, Jagdtrophäen an den Wänden. Hier entstehen seine Werke. Vor acht Jahren hat die Sache begonnen, als Idee zuerst. Er hat Architektur studiert, wohl weniger aus dem Wunsch, Häuser in die Welt zu setzen, sondern vielmehr aus Hang zur Schönheit, zu schönen Dingen: „Ich habe immer schon eine große Liebe für solche Sachen gehabt, für Schmuck besonders. Vom ersten selbst verdienten Geld habe ich bereits Schmuck gekauft und gesammelt.“ Es war eine Diamantbrosche, die bei Christie’s in London zur Auktion stand. Nach mehreren Jahren der Arbeit an Architekturprojekten kam dann der Gedanke auf, dieses Feld zu verlassen und Schmuck zu machen. „Da war immer eine Nähe dazu da, auch wenn ich das nicht als Handwerk erlernt habe. Ich habe es mir selbst beigebracht, mit Steinen und Edelmetall zu arbeiten.“ Und irgendwann, vor gut acht Jahren, kam ein Freund auf ihn zu, befand, dass Friedrich von Meding das doch wohl könne: Er solle ihm ein Jagdabzeichen machen.

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