Feiner Jagdfreund mit großem Finderwillen

| Text: Gabriele Metz |

Seine Nase ist fein, seine Suche ausdauernd. Der Kleine Münsterländer steht fest vor, zeigt einen enormen Finderwillen und lässt sich dabei weder von Dickungen noch von weiten Distanzen schrecken. Und auch bei der Wasserarbeit zeigt sich seine unermüdliche Arbeitsfreude.

Der als Nachfahre der seit dem Mittelalter bekannten Vogelhunde geltende Kleine Münsterländer ließ sich Ende des 19. Jahrhunderts noch auf Münsterländer Bauernhöfen finden und wurde dort – neben seiner Funktion als Jagdhund – als unbestechlicher Wächter von Haus und Hof gehalten.

Der kleinste der deutschen Vorstehhunde war damals auch unter dem Namen Heidewachtel, Spion, Spanier oder Magisterhündchen bekannt. Heide-, Moor- und Buschreviere sind klassische Einsatzgebiete, in denen der Kleine Münsterländer, der kurz als „KlM“ bezeichnet wird, traditionell unter der Flinte sucht. Obwohl er auch gerne als Familien- und Begleithund gehalten wird, handelt es sich um einen passionierten Jagdhund, dessen vielseitige Fähigkeiten begeistern. Der Große Münsterländer, der vom Namen her vielleicht eine Verwandtschaft vermuten lassen könnte, ist übrigens eine genetisch eigenständige Rasse, die sich als Farbvariante aus dem Deutsch Langhaar entwickelt hat.

Klugheit und Führerbezogenheit machen den kleinen Jagdgebrauchshund zu einem umgänglichen Begleiter, der Inkonsequenz jedoch gerne mal mit Ungehorsam ahndet. Eine schnelle Auffassungsgabe und eine hohe Konzentrationsfähigkeit zeichnen den lebhaften Arbeitshund aus, den die Ausübung der Jagd durch und durch erfüllt. Mit feiner Nase und angewölftem Jagdverstand findet er sicher und folgt auch einer Spur, die schon länger steht. Er zeigt dabei einen ausgeprägten Spurwillen, meist verbunden mit Spurlaut. Eine ausdauernde, flotte und planmäßige Suche ist rassetypisch. Das Tempo steht dabei in perfektem Einklang mit der Nase. Sowohl die Vorstehanlage als auch die Wild- und Raubzeugschärfe sind züchterisch verankert. Der Kleine Münsterländer nutzt den Wind, findet sicher und schnell, macht das Wild fest, zieht nach und steht dann fest vor.

Mit zunehmender Erfahrung kommt bei Kleinen Münsterländern oft auch eine Eigenschaft zum Vorschein, nämlich das Umschlagen des Wildes, um es sicher zwischen sich und den Jäger zu bringen. Nicht nur vor dem Schuss arbeiten die Hunde voller Eifer und Passion bei Suche, Vorstehen, Buschieren und Stöbern; besonders geeignet sind sie auch für die Schweißarbeit auf alles Schalenwild und das Verlorenbringen von Haar- und Federwild.

Feld, Wald und Wasser

Wasser nimmt der Kleine Münsterländer freudig an. Beim selbstständigen Stöbern im Schilf ist er durch Wink und Zuruf lenkbar. Dabei zeigt er großen Finderwillen und bringt erlegtes Wasserwild freudig. Dank des schlichten, mittellangen Haarkleides ist der Kleine Münsterländer auch im Wasser wirksam gegen Kälte und Nässe sowie gegen scharfes Schilf geschützt. Das dichte Haar bewahrt den Vierbeiner bei jagdlichen Einsätzen auch vor Verletzungen durch Dornen und ist dabei sogar noch relativ unkompliziert in der Pflege.

Im Wald stöbert der mittelgroße, kräftige Vorstehhund mit den fließenden Körperlinien und der flach getragenen Rute planmäßig in Dickungen und Schonungen. In der Regel jagt er laut. Unter der Flinte buschiert der KlM in enger Anlehnung an seinen Hundeführer. Auf dem Stand verhält er sich ruhig. Bei der Schweißarbeit am langen Riemen zeigt er eine ruhige, konzentrierte Arbeit – zügig, jedoch nie zu stürmisch. Verendetes Schalenwild verbellt oder verweist der KlM, abhängig von der Art seiner Ausbildung, zuverlässig. Eine jagdliche Ausbildung des kleinen Universalhundes kann durchaus auch ein weniger geübter Hundeführer erfolgreich absolvieren.

Angewölfte Bringfreude

Das Apportieren zählt zu den Stärken der Kleinen Münsterländer, die eine angewölfte Bringfreude zeigen. Der als Allrounder wie geschaffene Jagdhelfer apportiert nicht nur freudig den Fasan oder den Hasen, sondern hat auch keine Probleme mit dem Apportieren von schwererem Wild, wie etwa Fuchs oder Gans. Erfahrene Halter dieser Rasse wissen, dass die arbeitsfreudigen Vorstehhunde keine Gelegenheit ungenutzt lassen, wenn es um das Anschleppen beweglicher Objekte geht, was eine konsequente erzieherische Hand des Hundeführers immer wieder einfordert.