Jagd auf Argentiniens heimische Wildenten
| Text: Simon K. Barr |
Wer von der Wasserwildjagd träumt, findet in den endlosen Feuchtgebieten Argentiniens eine Welt, die ihresgleichen sucht. Im Umland von Buenos Aires erwartet den Jäger nicht nur eine beeindruckende Artenvielfalt südamerikanischer Wildenten, sondern auch eine perfekt organisierte Jagd in spektakulärer Landschaft. HALALI-Autor Simon K. Barr hat die Los Crestones Lodge besucht und berichtet von außergewöhnlichen Jagderlebnissen, anspruchsvollen Bedingungen und argentinischer Gastfreundschaft – eine Reise, die lange in Erinnerung bleiben wird.
Knietief im trüben Wasser stehend, umgeben von Bambusschirmen und den geheimnisvollen Rufen südamerikanischer Wildvögel in der Abenddämmerung, musste ich unweigerlich daran denken, wie weit wir uns von den vertrauten Salzwiesen des Wash oder den windgepeitschten Küsten des Solway entfernt hatten – fast 7 000 Meilen. Und doch bot sich uns hier, in den ausgedehnten Feuchtgebieten entlang des Río Salado, eine Entenjagd von einem Ausmaß, das jedem britischen Entenjäger den Puls höherschlagen lassen würde. Unser Reiseziel, die Los Crestones Lodge, nur etwa zwei Autostunden südlich von Buenos Aires im fruchtbaren Agrargebiet der Provinz gelegen, ist eine echte Entdeckung für reisende Wasserwildjäger. Unter der Leitung von David Denies wurde diese historische Estancia aus dem 19. Jahrhundert mit viel Sorgfalt zu einem wahren Paradies für Entenjäger umgestaltet. Während einer dreimonatigen Saison bietet sie Jagdmöglichkeiten auf Wasserwild in einigen der produktivsten Feuchtgebiete Südamerikas.
Eine andere Welt der Wasserwildjagd
Die Landschaft mag auf den ersten Blick vertraut wirken, doch damit enden auch schon die Gemeinsamkeiten. Der Unterschied zur britischen Entenjagd könnte kaum größer sein. Während man sich in Großbritannien glücklich schätzt, an einem Abendflug vielleicht ein halbes Dutzend verschiedener Entenarten zu sehen, beherbergen Argentiniens Feuchtgebiete 13 unterschiedliche Wildentenarten, von denen zwölf ausschließlich in Südamerika vorkommen. Während unseres Aufenthalts begegneten wir fünf davon: der Rosenschnabelente (Rosy-billed Pochard), der Weißwangen-Pfeifente (White-cheeked Pintail), der Silberente (Silver Teal), der Gelbschnabel-Pfeifente (Yellow-billed Pintail) und der wunderschön gezeichneten Sprenkelente (Speckled Teal). Zu Argentiniens insgesamt 13 Entenarten gehören neben diesen außerdem die Zimtente, die Weiß-gesicht-Pfeifente, die Fahlpfeifente, die Brasilienente, die Südamerikanische Pfeifente, die Südamerikanische Löffelente, die Ringschnabelente und die Rotlöffelente. Jede Art stellt den Jäger vor jeweils eigene Herausforderungen: das unberechenbare Flugverhalten der Krickenten, die Vorsicht der Pfeifenten oder das plötzliche Auftauchen der Rosenschnabelenten. Erfolgreich ist nur, wer sein Schießen anpasst, Flugbahnen richtig liest und die feinen Verhaltensunterschiede erkennt, die den Anfänger vom erfahrenen Jäger unterscheiden.


Die Dimensionen der Jagdorganisation in Los Crestones sind beeindruckend. In einem Umkreis von rund 50 Kilometern um die Lodge unterhält das Team etwa 100 für jeweils zwei Jäger ausgelegte Schirme, die strategisch über die Feuchtgebiete verteilt sind. Täglich kontrollieren Mitarbeiter die verschiedenen Gewässer, an denen sich diese Stände befinden. Unsere Jagdführer, Fernando und José, sprachen ausgezeichnet Englisch. Zwischen den Jagdphasen pflegten sie das traditionelle argentinische Ritual des Yerba Mate – jenes herben, anregenden Tees, der einen festen Bestandteil der argentinischen Kultur bildet. Der aus Bambus errichtete Schirm war ein Musterbeispiel natürlicher Tarnung und fügte sich nahtlos in die Vegetation rund um die weitläufige Wasserfläche ein, die während der gesamten Saison zahl-reiche Enten anzieht. Wir schossen ins Gegenlicht des Sonnenuntergangs, vor dem sich die Wildvögel als dunkle Silhouetten abzeichneten. Das Jagdgebiet lag nur einen Steinwurf von der Lodge entfernt auf einem überfluteten Acker. Mit dem Geländewagen benötigten wir weniger als fünf Minuten durch tiefen Schlamm bis zum Schirm.


Anspruchsvolle Bedingungen, außergewöhnliche Jagd
Unsere Reise begann mit intensiven Wetterkapriolen, die jedem britischen Wasserwildjäger bekannt vorkommen dürften: Unwetterwarnungen, heftige Gewitter mit Blitzen, Donner und Hagelkörnern von Golfballgröße verzögerten zunächst den Jagdbeginn. Doch erfahrene Entenjäger wissen: Spektakuläres Wetter geht oft der besten Jagd voraus – und genauso war es auch diesmal. Als die Sturmwolken abzogen und der Himmel aufriss, strichen immer mehr Enten an. Knietief im Wasser, mit Watstiefeln bekleidet und in tiefem Schlamm balancierend, der bei jedem Schritt die Stiefel festzuhalten drohte, wurde schnell deutlich, welche enormen körperlichen Anforderungen diese Jagdart an uns stellte. Sicherer Stand war hier keine Selbstverständlichkeit – feste Schießstände oder bequeme Sitze gab es nicht. Stattdessen boten einfache Metallsitze nur minimale Rast, während wir aufmerksam im Wasser standen und auf das Klingeln herannahender Schwingen lauschten. Jeweils zwei Jäger teilen sich einen Jagdführer. Gejagt wird aus unterschiedlichen Schirmtypen – von erhöhten Plattformen über abgesenkte „Bucket Blinds“ bis hin zu den neu entwickelten, maßgefertigten Boxenschirmen. Drei Stunden lang, vom ersten Morgengrauen an, erlebten wir einen stetigen Anflug von Enten, um den uns jede britische Jagdgemeinschaft beneidet hätte. Mit Lockrufen wurden die Vögel auf Schussdistanz gebracht. Pfeifenten zogen in kleinen Schofen heran, während die markanten Rosenschnabelenten mit ihren plötzlichen Landungen auf dem Wasser schwer zu bejagen waren.

