Jagen im Schatten des Mount Elgon

| Text: Simon K. Barr |

Mit einer Jagd auf Savannenbüffel in Karamoja, einer Region im Nordosten Ugandas, erfüllte sich HALALI-Autor Simon K. Barr einen Lebenstraum und begab sich auf die Spuren des Helden seiner Kindertage, Walter Dalrymple Maitland Bell.

Beharrlich waren wir heimlich bis auf dreißig Schritt an die Gruppe herangerobbt. Doch dann trug der in der Mittagssonne küselnde Wind unsere Witterung zur Herde, die sich in der Folge als erheblich größer als zunächst von uns angenommen herausstellte: Nicht weniger als hundertdreißig Savannenbüffel donnerten mit hoher Geschwindigkeit davon – gnädigerweise in die entgegengesetzte Richtung. Dieses geradezu seismische Erlebnis bildete allem Anschein nach den Schlusspunkt dieser Morgenpirsch. Ohnehin war es beinahe Mittag, und die Hitze stand sichtbar flirrend über dem Land.

Wir wollten uns gerade auf den Rückweg zum Camp machen, als ich hörte, wie der Jäger Gareth scharf Luft einsog. „Halt!“, flüsterte er, duckte sich nieder und bedeutete mir, es ihm gleichzutun. „Unter den Bäumen dort. Zwei Bullen.“ Ich folgte ihm, als er vorpirschte, schnell und tief geduckt, von Baum zu Baum in Deckung bleibend – nur nah genug heran, um ansprechen zu können. Wären die beiden alt genug? Würden wir zu Schuss kommen? Der Adrenalinspiegel in meinem Blut stieg deutlich an, und die schwüle Hitze ließ mich keuchen. Unter einem Dornenbusch machten wir halt und hatten dort endlich die Möglichkeit, beide Bullen genauer in Augenschein zu nehmen. Wir konnten uns dort gefahrlos aufrichten, so war das halbhohe Gras der Savanne zumindest kein Sichthindernis mehr.

Diese Jagd, dieser Ort – es war ein Lebenstraum, der hier Wahrheit wurde: Wir jagten auf Savannenbüffel im Schatten des Mount Elgon, einem der höchsten Berge Ostafrikas. Dies ist Karamoja, genau der Distrikt im Nordosten Ugandas, in der sich der Held meiner Kindertage, Walter Dalrymple Maitland Bell, einst als „Karamojo“ einen Namen gemacht hat. Ich habe seine Abenteuer wieder und wieder gelesen. Welcher junge Jäger wäre von diesem schottischen Jäger nicht begeistert und inspiriert, der zugleich Soldat, Kampfflieger, Segler, Schriftsteller, Maler und Großwildjäger war? Walter D. M. Bells Bücher haben einen bleibenden Eindruck auf mich gemacht und einen großen Einfluss auf mein Handeln genommen, und sie sind der Grund dafür, warum ich genau das tue, was ich tue. Also auf diesem heiligen Boden auf Großwild zu jagen, da zu gehen, wo er gegangen war (er soll pro Elefant im Durchschnitt 37 Meilen zu Fuß zurückgelegt haben), das war für mich eine einschüchternde und inspirierende Erfahrung zugleich.

Während früherer Aufenthalte habe ich auch auf Plainsgame gejagt, und habe ich auch schon Kaffernbüffel in anderen Teilen Afrikas erlegt, so war die Jagd auf Savannenbüffel für mich eine Chance, die sich mir bislang noch nie geboten hatte. Karamojo Bell hätte an meiner statt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit einer .275 Rigby gejagt – er war bekannt dafür, eher kleine Kaliber zu bevorzugen. Heute ist das nicht mehr erlaubt, da es für die Jagd auf wehrhaftes Großwild schlicht zu riskant ist. Daher habe ich eine .416 Rigby „Big Game“ gewählt, eine Waffe, die ich gut kenne und der ich vertraue, da ich mit ihr auch schon Kaffernbüffel geschossen habe. Zudem weiß ich seit meinem Abenteuer mit dem „Doktor“ (Kevin „Doctari“ Robertson) vor einigen Jahren, dass ein Schuss auf einen Büffel nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist. Mit seinen Worten gesagt: „Das ist eine Kriegserklärung. Irgendwer wird sterben, sobald der erste Schuss abgefeuert ist.“ Ich stand unter Druck. Es boten sich uns während der vergangenen Woche einige Beinah-Chancen auf einzelne Büffel im dicken Zeug. Aber wie es auf Jagdreisen nun einmal so ist: Ein passender, reifer alter Bulle, mithin also das Ziel dieser Reise, war nicht dabei gewesen.

Mehrere Tage hatte ich zuvor mit dem Professional Hunter (PH) Gareth Lecluse im Naturschutzgebiet Pian Upe Wildlife Reserve gejagt. Karimojong Overland Safaris (heute: KOS Safaris) hat vor sieben Jahren die Jagdkonzession dort erworben, dank einer beschleunigten Erlaubnis des Präsidenten von Uganda. Seitdem und gerade wegen der bezahlten legalen Jagd hat sich die Gegend in bemerkenswerter Weise zum Positiven verändert und ist ein hervorragender Beweis dafür, dass Jäger für die Wiederansiedlung und den Erhalt des Wildes äußerst hilfreich sein können und es auch tatsächlich sind. Unser Camp war einfach, aber gemütlich und der perfekte Ausgangspunkt für die Jagd auf alle Arten von Plainsgame, von denen einige – wie insbesondere die Pferdeantilope des Südsudans – nur hier vorkommen und rechtmäßig sonst nirgendwo auf der Welt bejagt werden können.

Vor zwei Tagen waren wir nah an eine Herde Büffel herangekommen, deren Spur wir einem Fluss entlang gefolgt sind. Aber so nah, dass wir einen guten Bullen hätten ausmachen können, haben sie uns dann doch nicht herangelassen und sind geflüchtet. Das Problem mit großen Herden ist, dass es immer Streuner und Nachzügler gibt und viele Lichter, Lauscher und Windfänge, die Räuber und Feinde entdecken. Eine andere große Herde konnten wir nachts beim Äsen beobachten, im Schatten des Mount Kadam (oder Debasien, wie der Berg zu Kolonialzeiten hieß) – eine Gegend, die auch Bell in seinen Büchern erwähnt hat. Wir waren im ersten Morgenlicht aufgebrochen und rumpelten im Auto querfeldein, um nah genug für eine Spurensuche heranzukommen. Keiner von uns sprach ein Wort, die Spannung war fühlbar. Hoffnung, Erwartung, Sinne: Alles war auf diese eine Expedition konzentriert.

Gareth bremste scharf ab, gerade als die Morgendämmerung sich zu heben begann: „Zu Fuß jetzt. Noch mal alles überprüfen.“ Mit noch von der Fahrt klappernden Zähnen sprang ich vom Wagen und steckte drei Hornady „Dangerous Game“-Vollmantelgeschosse zu 400 Grain in das Magazin meiner Repetierbüchse, und für den ersten Schuss obenauf ein Teilmantel-DGX im gleichen Gewicht. Dann prüfte ich die Ersatzmunition in meinem Gürtel – die Maxime „Nimm, so viel du tragen kannst“ hat sich nach meiner Erfahrung bei der Büffeljagd stets bewährt. Dann angelte ich noch den Schießstock von der Ladefläche. Zu dritt zogen wir los.

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