Klimawandel und Wildtiere

| Text: Dr. Johanna Maria Arnold und Dr. Janosch Arnold |

Wildtiere haben die Fähigkeit, sich auf neue Lebensraumgege-benheiten einzustellen. Einige Arten profitieren vom Klimawandel, andere werden an den Rand des Aussterbens gedrängt. Auch
die Jagd und das Wildtiermanagement werden mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert.

In Zeiten des Klimawandels muss die Jagd an zukünftig zu erwartende Gegebenheiten angepasst werden. Dies ist keine einfache Aufgabe, denn viele Auswirkungen und deren Effekthöhe sind bis dato noch unbekannt. Generelle Linien aber sind aus den bisherigen wis-senschaftlichen Erkenntnissen abzuleiten. Diese müssen durch Langzeitdaten wie Daten aus dem Wildtiermonitoring, Klimadaten und Lebensraumdaten unterfüttert werden. Solche Daten sind kontinuierlich zu erheben und um relevante Parameter zu erweitern. Viel mehr als bisher muss der Zustand der Wildtierarten und der ihrer Lebensräume beobachtet werden, um auf Veränderungen adäquat reagieren zu können.

Die Erderwärmung

Heute liegt die globale Durchschnittstemperatur um 0,85 °C höher als im ausgehenden 19. Jahrhundert. Seit Beginn der Aufzeichnungen war jedes der letzten drei Jahrzehnte wärmer als jedes beliebig vorangegangene Jahrzehnt seit dem Jahr 1850. Die Daten zeigen eine Erderwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts, und Wissenschaftler führen dies mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf menschliche Tätigkeiten zurück.

Die Ursachen des Klimawandels

Durch die Nutzung fossiler Brennstoffe, das Abholzen großer Waldkomplexe und die Viehzucht beeinflusst der Mensch das Klima und die Temperatur auf der Erde. Insbesondere durch die Erhöhung der natürlich vorkommenden Treibhausgase in der Atmosphäre werden der Treibhauseffekt und die Klimaerwärmung verstärkt. Denn einige Gase wirken ähnlich wie das Glas eines Gewächshauses: Sonnenwärme kann hereinkommen, aber die Abstrahlung zurück in den Weltraum wird behindert. Viele dieser Gase, wie Kohlendioxid (CO2), Methan, Di-stickstoffoxid (Lachgas) oder fluorierte Gase, sind natürliche Bestandteile unserer Atmosphäre, ihre Konzentration steigt aber durch menschliche Aktivität an.

Dabei ist das CO2 das am häufigsten durch den Menschen erzeugte Treibhausgas. Schätzungen führen die anthropogene Klimaerwärmung zu über 60 Prozent auf dieses Gas zurück; seine Konzentration in der Atmosphäre ist heute um 40 Prozent höher als noch zu Beginn der Industrialisierung Ende des 18. Jahrhunderts. Andere Treibhausgase werden in geringeren Mengen ausgestoßen, sind aber in der Rückhaltung der Sonnenstrahlung sehr viel wirksamer als das Kohlendioxid, so beispielsweise Methan oder Lachgas. Fluorierte Gase, wie das FCKW, werden aufgrund von EU-Bestimmungen nur in sehr kleinen Mengen freigesetzt.

Die Effekte des Klimawandels

Die Auswirkungen des Klimawandels sind weltweit zu spüren. Aufgrund der damit einhergehenden Erderwärmung schmelzen die Polkappen ab, und der Meeresspiegel steigt. Dies kann Überflutungen und Erosion in Küstengebieten und Niederungsregionen nach sich ziehen. In einigen Regionen der Erde treten verstärkt Hitzewellen, Dürren und Waldbrände auf, in anderen hingegen kommt es zu häufigeren extremen Wetterereignissen wie Stürmen oder Hagel und zunehmenden Niederschlägen; winterliche Überschwemmungen könnten die Folge sein. Experten schätzen, dass sich diese Auswirkungen in den kommenden Jahrzehnten verstärken werden. Das Klima bestimmt die Lebensräume aufgrund der Primärproduktion von Biomasse der Pflanzen. So beeinflusst es die Artenzusammensetzung wie auch die Struktur der Pflanzendecke. Historische Rekonstruktionen zeigen, dass Lebensräume auf Klimaveränderungen reagieren können, manchmal sogar rascher, als eine Pflanzengeneration dauert. Folglich können erst nach vielen Jahrzehnten wieder Gleichgewichtszustände mit dem neuen Klima erreicht werden (Tinner 2019).

Anpassungen durch Wildtierarten

Mit den veränderten klimatischen und mikroklimatischen Bedingungen gehen teils starke Veränderungen der Lebensraumbedingungen für Pflanzen und Tiere einher. Insbesondere diejenigen Wildtierarten, die spezielle Ansprüche an ihren Lebensraum und dessen Ausstattung haben, sind von den Veränderungen betroffen. So werden einige Pflanzen- und Tierarten verstärkt vom Aussterben bedroht sein, wenn die globale Durchschnittstemperatur weiter ungehindert ansteigt und sich Lebensräume wandeln. Bereits kleinere Veränderungen z. B. in der Pflanzenzusammensetzung oder in der Zusammensetzung von Kleinstlebewesen in Boden und Wasser können große Auswirkungen auf die Art selbst oder beispielsweise auch auf ihre Beutetiere haben.

Beobachtet werden kann heute schon, dass der Klimawandel schneller vonstattengeht, als sich viele Pflanzen- und Tierarten daran anpassen können. Infolgedessen sind diese Arten vom Aussterben bedroht (Thomas et al. 2004). Für evolutive Anpassungsprozesse sind die Zeitfenster zu kurz. Nichtsdestotrotz gibt es Anpassungsprozesse, die für das Überleben einer Art, sei es Tier oder Pflanze, notwendig sind. Viele terrestrische, marine und Süßwasserarten sind bereits zu neuen Standorten abgewandert.

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