Mystischer Prozess – Sascha und Ingo Maas erschaffen einzigartige Wildlife-Porträts.

| Text: Gabriele Metz |

Aus zwei mach eins! So könnte das Motto des Bad Honnefer Künstler-Ehepaares Sascha und Ingo Maas lauten. Denn in jedem ihrer Werke stecken jeweils 100 Prozent Sascha und 100 Prozent Ingo. Kunstvoll miteinander verschmolzen. Nach einem bisweilen komplexen Schaffensprozess.

Dass künstlerische Prozesse durchaus auch zusammenschweißen, beweisen die beiden Bad Honnefer Künstler Sascha und Ingo Maas immer wieder aufs Neue. Bis zu zehn Mal wechselt ein Gemälde vom Atelier des einen in das des anderen. Was Kunstbuchverleger und Kommunikationsagentur-Inhaber Ingo filigran mit Buntstiften zeichnet, zerstört die studierte Textildesignerin Sascha gerne gekonnt mit Stahlwolle, um ihrem Mann das Werk anschließend zur Weiterarbeit vorzulegen. Danach wandert das Ganze zu ihr zurück. Das strengt mitunter an, ist spannungsgeladen und führt gelegentlich sogar in eine vermeintliche Sackgasse … Und dann? Entfaltet sich ein geradezu mystisch anmutender Prozess, der aus der zuerst widersprüchlich wirkenden Individualität eine Verschmelzung schafft, deren künstlerisches Ergebnis einzigartig ist.

Wer könnte schon erahnen, welche Szenen sich hinter der friedlichen Fassade des wunderschön am Rhein gelegenen Hauses im beschaulichen Bad Honnef abspielen? Ein künstlerisches Gefecht zweier Künstler, die doch dasselbe Ziel verfolgen. Ein kreatives Duell mit einheitlichem Credo. Erschaffen, Zerstören und Wiedererschaffen in einem Atemzug. Alles in allem ein künstlerischer Prozess, der seinesgleichen sucht und dessen Ergebnis überzeugt. Seien es die heimischen oder exotischen Wildtiere, die urwüchsigen Landschaften, die Greifvögel und Hunde, die knorrigen Hölzer und Pflanzen … Jedes einzelne Werk spiegelt die Einzigartigkeit und die verletzliche Schönheit der Natur, die Sascha und Ingo Maas so sehr am Herzen liegen.

Dabei inspirieren die europäischen Wälder und Steppen das Künstler-Ehepaar ebenso wie die Buschlandschaft Afrikas. Das Bewusstsein für den Erhalt und Schutz der Natur steckt in jedem einzelnen Werk. Und ebenso sehr, wie die Natur menschlichen Respekts und Schutzes bedarf, um fortzubestehen, so sehr brauchen Sascha und Ingo Maas einander, um ihre Arbeiten zu realisieren. „Nur im perfekten Zusammenspiel vermögen unsere Werke zu bestehen“, versichern sie. Aus diesem Zusammenspiel entstehen ausdrucksstarke Darstellungen von Raubkatzen, Antilopen, Büffeln, Nashörnern und heimischem Rotwild, Mufflons, Rehwild, Schwarzwild oder Steinböcken – auch opulenten Hülsenfrüchten, sanften Gräsern und faszinierenden Holzstrukturen. Stets authentisch und immer ganz besonders prägen sich die Tierporträts und die geradezu skulptural wirkenden Pflanzendarstellungen tief in das Empfinden des Betrachters ein.

Magie? Nein. Das Geheimnis dieser ganz speziellen Ausdruckskraft liegt begründet in der Kombination von strukturgebenden Techniken mit Malerei und Zeichnen. Und obwohl sich beide Ateliers unter einem einzigen Dach befinden, so sind sie doch auf zwei Etagen gelegen und repräsentieren, jedes für sich, das ganz persönliche Reich der beiden Künstler mit ihren individuellen Eigenarten.

Die gebürtige Münchnerin Sascha, Jahrgang 1958, bereitet den Untergrund eines Porträts vor, indem sie Leinwand auf Pappe spannt und einen Malgrund aufträgt. „Den bearbeite ich dann mit unterschiedlichen Bürsten, um Struktur zu erschaffen“, erklärt sie. Ingo, Jahrgang 1961, der schon seit seiner Jugendzeit leidenschaftlich gerne zeichnet, nutzte anfangs die ausrangierten Textildesign-Skizzen seiner Frau als Entwurf-Leinwände. Dabei entdeckte er die sagenhafte Dreidimensionalität, die durch das Aufbrechen der Stift- und Pinselstriche auf rauer Struktur entsteht. Er übernimmt die getrockneten Untergründe seiner Frau und skizziert mit Stiften schwarz-weiße Motivumrisse. Anschließend wandert das Werk wieder von Ingos Atelier, das sich in der Mansarde des Hauses befindet, hinunter zu Sascha, die nun ihrerseits Farbpaletten an die zu kolorierenden Stellen hält. Sobald der richtige Ton gefunden ist, greift sie in eine Schublade voller Zeitungsschnipsel, mischt den gewünschten Farbton an, streicht ihn auf einen der Schnipsel und tupft diesen schließlich auf die Leinwand. Schon jetzt entsteht dadurch diese einzigartige Struktur und Plastizität, die für die Werke der beiden Bad Honnefer so charakteristisch ist. Kaum getrocknet, steht das Werk wieder oben bei Ingo auf der Staffelei. „Ich arbeite nun die Feinheiten mit Buntstiften heraus und gebe das Gemälde anschließend wieder an Sascha zurück, die dann mit Stahlwolle oder einem Scheuerschwamm weiter daran arbeitet“, erklärt Ingo. Manchmal verschwindet Ingos Arbeit unter Einwirkung der groben Scheuerinstrumente weitgehend, aber auch das gehört zu diesem ungewöhnlichen Schaffensprozess, der letztendlich doch in eine künstlerische Verschmelzung mündet.

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