Nettis Naturkinder verwerten Wildbret

| Text: Annelie Asche |

„Vom Wald auf den Tisch“, so lautet ein wichtiger Bestandteil des Erfahrungsprogramms von „Nettis Naturkindern“, einem Projekt der Stiftung Wald und Wild in Mecklenburg-Vorpommern. Geschäftsführerin Annette von Karp und Revierjagdmeister Hans-Kristian Sierk zeigen Hamburger Kids auf einfühlsame Weise, wie aus einem Wildtier köstliche Hamburger Patties werden.

Es summt und brummt wie in einem Bienenstock … mit einem Bus voller Kinder aus dem Hamburger Ballungsraum treffen wir am Forsthof Schildfeld ein, gelegen mitten in den dichten Wäldern im Südwesten Mecklenburg-Vorpommerns.

Die Stiftung Wald und Wild in MV hat hier ein eigenes Jagdrevier. Auf 735 Hektar finden sich vier Schalenwildarten, Seeadler, Schwarzstorch und alles, was kratzt und beißt. Heute lautet unser Thema: „Rehwild – vom Revier in die Küche“. Neben Rot- und Damwild spielt diese Wildart im Revier eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Auch deshalb sucht die Stiftung vor der Frühjahrsmahd ihre eigenen Flächen nach Jungwild ab und unterstützt auch benachbarte Reviere bei der Rettung der Jungtiere vor dem Mähtod. Insgesamt wurden dieses Jahr 85 000 Hektar abgesucht. Dabei konnten 280 Rehkitze, 20 Damkälber, 20 Rotkälber, aber auch viele Junghasen und Vogelgelege gerettet werden. Man möchte sich nicht vorstellen, was früher an Jungwild verloren gegangen sein mag.

Nun aber zur Praxis. Revierjagdmeister Hans-Kristian Sierk hat alles perfekt vorbereitet. Zwei erlegte Rehböcke werden auf ein Bett aus Eichenlaub gelegt, und der Revierchef greift zum Jagdhorn. Vor dem Essen kommt die Jagdkultur. Die Kinder erleben so die Ehrerbietung und den Dank des Jägers gegenüber der erlegten Beute.

Jetzt geht es an die Arbeit. Das Wild kommt auf einen großen Tisch, damit die Kinder jeden Handgriff beobachten können. Dabei stehen wir nicht in einer x-beliebigen Kühlkammer, sondern im Garten mit Blick auf das Flüsschen Schilde. Dahinter sehen wir 20 Hektar Wildruhezone, also eine große Wiese, auf der nicht gejagt wird, und tatsächlich steht da Rotwild am helllichten Tag. Es sind zwei Muttertiere mit ihren vier Kälbern. Auch die Kinder können gut den Größenunterschied zum Rehwild erkennen. Was für ein wunderschöner Anblick!

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