Revolution Monobloc

| Text: Theo Fischer |

„Eine Revolution ist ein grundlegender und nachhaltiger struktureller Wandel eines Systems, der meist in kurzer Zeit erfolgt“ – dieser wissenschaftlichen Definition folgend, entwarf der österreichische Waffenhersteller Steyr einen modernen Repetierer mit dem Namen Monobloc.

Auf und System

Die Besonderheit der Monobloc ist die Symbiose von Lauf und System. Diese sind nicht wie sonst üblich getrennt gefertigt und über ein Gewinde oder eine Klemmvorrichtung zusammengefügt. Steyr setzt hier neue Maßstäbe und fertigt Lauf und System aus einem Stück. Dabei fällt die Systemhülse rund 4 mm schlanker aus. Der Hersteller verspricht sich von der revolutionären Bauweise ein besseres Schwingungsverhalten und damit eine noch bessere Präzision. Die Monobloc ist derzeit in den Kalibern .308 Win. und .30-06 Springfield erhältlich. Ab 2020 sollen weitere Ausführungen in .270 Win., 8 x 57 IS, .300 Win. Mag. und später auch .375 H & H folgen.

Beim Verriegelungssystem handelt es sich um einen klassischen Zylinderverschluss mit drei Verriegelungswarzen, die einen Öffnungswinkel von 60° generieren. Der Verschlusskopf kann über einen Bajonettverschluss entnommen und ausgetauscht werden. Der Verschluss läuft weich, aber nicht saugend in der Systemhülse. Die Oberflächen des Verschlusses sind hochwertig poliert und zeugen von hoher Verarbeitungsqualität.

Auf die eleganten Hämmerspuren am Lauf, die bislang das typische Erkennungsmerkmal der Steyr-Repetierbüchsen waren, müssen die gestandenen Steyr-Fans zukünftig leider verzichten. Lauf und System sind, wie auch bei der SM12 und CL II, fortan sandgestrahlt und nicht mehr poliert.

Derzeit wird die Monobloc mit 55,8 cm, in .308 Win. auch mit 50,8 cm Lauflänge und mit werkseitig angebrachtem Mündungsgewinde angeboten und generiert damit eine Gesamtlänge von 107,5 cm bzw. 102,8 cm. Vor allem hinsichtlich der Verwendung mit Schalldämpfern ist in nächster Zeit noch eine spezielle Ausführung in .308 Win. mit 40,7 cm langem Lauf geplant. Am Laufgewinde hat Steyr eine kleine zierliche Ausfräsung vorgesehen, die der optimalen Positionierung des „Flex Sight“ dient, einer nachträglich montierbaren offenen Visierung. Ansonsten besitzt die Waffe mit 3,7 kg Gewicht ein schlankes Gesamtkonzept, das sie auch auf längerer Pirsch zu einem führigen Begleiter macht.

Ergonomie und Individualität

Die Konstrukteure von Steyr legten bei der Entwicklung der Monobloc sichtbar großen Wert auf Ergonomie und Individualisierbarkeit. Das Design der Waffe ist sehr modern und gefällig. Hochwertige Kalbsledereinlagen und Stahlkomponenten gehen eine optische Symbiose mit dem ergonomisch geformten Schaft ein. Alle Einlagen können per Knopfdruck entnommen werden. Hierfür wurden aufwendige Verriegelungselemente in den Schaft eingearbeitet. Somit werden die Einlagen sicher arretiert und halten auch häufiges Abnehmen aus. Nach Kunststoff-Rastverbindungen sucht man hier vergebens. Die Aufnahmen sind mit hochwertigen federbelasteten Stahlkugelarretierungen ausgeführt.

Besonders ergonomisch ist der Vorderschaft, bei dem beidseitige Fingerrillen zwischen Ledereinlage und Schaft für eine gelungene Griffgestaltung sorgen. Die Hand umschließt den Vorderschaft in einer natürlichen, leicht geschlossenen Haltung. Dabei wird die Waffe auch seitlich gut stabilisiert und liegt fest in der Hand. Auch beim Greifen der Waffe aus dem Waffenständer fällt dies positiv auf. Die Finger der Schießhand sind auf eine weitere Ledereinlage gebettet, wobei die Geometrie des Griffes vor allem für die Vertreter der kleineren Perzentile äußerst ansprechend gestaltet ist. Für große Hände sind eher die Zwienähte sowie die Kurve am Kolbenhals ein Orientierungspunkt, sodass sich die Verwendung einer größeren Griffeinlage anbietet. Die Wangenauflage ist ebenfalls austauschbar und soll künftig in zwei verschiedenen Höhen erhältlich sein.

Die hohe Individualisierbarkeit der Waffe ermöglicht es dem Besitzer, ganz eigene Akzente zu setzen. So können in die wahlweise weiß, grün, mokka oder schwarz gefärbten Schäfte Ledereinlagen in den Farbtönen Sand, Schwarz oder Braun in selbst gewählter Konfiguration eingesetzt werden. Zusätzlich kann die Dicke der Schaftkappe durch wechselbare Einsätze individuell gewählt werden. Auch dies geschieht werkzeuglos durch eine Druckknopfmechanik auf der Innenseite der schwenkbaren Schaftkappe.

Das Magazin mit einer Kapazität von vier Patronen liegt durch den bauchigen Aluminium-Magazinboden gut in der Hand und ermöglicht auch bei Kälte und Nässe ein einfaches und zügiges Nachladen. Die Wandungen sind aus Stahlblech gefertigt, die übrigen Teile aus Kunststoff. Die Optik des gebürsteten Magazinbodens ist ansprechend und modern. Das Magazin wird sauber und ohne merklichen Widerstand im Magazinkasten geführt. Das Entnehmen des Magazins erfolgt nicht über einen Druckknopf, sondern über einen Schieber. Damit folgt Steyr der natürlichen Griffbewegung nach Gesichtspunkten der Handergonomie und setzt auch hier eigene Maßstäbe. Die Auslösemechanik läuft weich und mit angepasstem Kraftaufwand.

Abzug und Handspannung

Ein besonderes Schmankerl aus der Traditionswaffenschmiede Steyr ist der Abzug der Monobloc. Die Abzugsbaugruppe, bestehend aus dem Abzugsbügel und dem Rückstecher, kann per Knopfdruck im ungespannten Zustand und bei entferntem Magazin entnommen werden. Dabei wird die Baugruppe nach vorn und vom Schaft weg entnommen. Die so ausgestaltete Arretierung verhindert ein ungewolltes Loslösen im Schuss oder bei seitlichen Stößen auf den Abzugsbügel. Das Abzugsgewicht des Rückstechers ist einstellbar. Ohne Stecherfunktion löst der Abzug als Direktabzug weich aus und lässt das Züngel nach hinten durchfallen. Diese Technik wird außerhalb der Jagdbranche mitunter bei Sportgewehren eingesetzt, um Bewegungen der Waffe durch Krafteinflüsse des Schießfingers zu vermeiden. Ein Triggerstop bzw. weitere Einstellmöglichkeiten sind nicht vorgesehen. Das Züngel selbst ist zwischen Ruhelage und Stecherposition sehr leicht beweglich und wird lediglich durch eine Feder in der Ruhelage gehalten.

Wenn die Abzugsgruppe entnommen wurde, ist die Waffe konstruktionsbedingt nicht mehr zur Schussabgabe fähig. Dies erhöht die Sicherheit, wenn etwa auf Reisen kein Waffenschrank zur Verfügung steht. Die Abzugsgruppe ist dann in der Jackentasche nur halb so groß wie der Verschluss. Steyr hat im Hinterschaft der Waffe ein spe-zielles Fach unter der schwenkbaren Schaftkappe vorgesehen, in dem der Abzug verstaut und mithilfe eines Lederriemens auch einfach wieder entnommen werden kann. Hier können auf der Jagd auch andere Utensilien wie Munition, Blatter, Hundepfeife, Windprüfer und dergleichen verstaut werden. Waffenrechtlich ersetzt der entnehmbare Abzug jedoch nicht die sichere Aufbewahrung im Stahlschrank und auch nicht den sicheren Transport im verschlossenen Behältnis. Im rauen Jagdeinsatz sollte der Ausbau des Abzugs vermieden werden, da dann die Feinmechanik des Abzugs im Schaft offen liegt und Schmutz eindringen kann.

Sicherheit wird bei Steyr ganz großgeschrieben, deshalb besitzen alle Monobloc-Modelle eine Handspannung auf dem Kolbenhals. Ein Druckknopf arretiert den Spannschieber zusätzlich, um eine ungewollte Betätigung zu vermeiden. Die Spannbewegung ist weich und kann mit angemessenem Kraftaufwand ausgeführt werden. Zwei Torx-Schrauben signalisieren auch bei Dunkelheit optisch und haptisch die aktuelle Position des Spannschiebers. Die Handspannung ist ergonomisch sehr gut platziert und wird von der Hand instinktiv erreicht. Auch die Ausformung des Spannschiebers passt sich gut an den Daumen an und besitzt einen sicheren Grip, ohne dabei scharfe Kanten oder eine einschneidende Oberfläche zu besitzen.

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