„Sauen im Mais!“

| Text: Ilka und Oliver Dorn |

Wenn die Nachricht lautet: „Sauen im Mais!“, schlagen Jägerherzen höher. Zum einen wegen des zu erwartenden Schadens, zum anderen aber auch, weil diese Jagdart einen ganz besonderen Reiz auf die Jäger ausübt – es kann dabei nichts, aber auch alles passieren.

Die Jagd im Feld

Wenn mich eine Jagdart wirklich reizt, dann ist es die Jagd am sommerlichen Getreide. Nachts die Schadstellen im milchreifen Weizen mit der Wärmebildkamera zu beobachten und die Sauen, wenn sie denn zu Schaden gehen, anzupirschen und eventuell Beute zu machen ist für mich eine der reizvollsten Jagden. Aber wenn wir feststellen, dass Sauen im Mais stecken, trotz chemischer Vergrämung und Elektrozaun, dann ist das noch einmal etwas ganz anderes. Klar, ich habe gut reden, denn ich stehe draußen und muss mich nicht wie meine Frau und unsere Freunde bei sommerlicher Hitze Meter für Meter durch das Mikroklima des Maisfeldes vorankämpfen. Bei dieser Jagd kann einfach alles passieren – oder aber auch gar nichts, wie wir so oft selbst erleben durften.

Umso mehr freute ich mich im vergangenen Jahr – während der Corona-bedingten Pause im August – über die Nachricht unseres Freundes und Jagdaufsehers Patrick, dass die Sauen im Mais stecken. Beim allabendlichen Rundgang rund um den großen Maisschlag hatte er die untrüglichen Spuren des Ein- und Auswechselns bemerkt, eine Wildkamera am Wechsel aufgehängt und zwei Drückjagdböcke aus dem Wald herausgeholt und passend aufgestellt. Da wir ohnehin an diesem Wochenende ins Revier fahren wollten, war schon alles gepackt – nur das Leuchtpunktvisier und eine orange Signalweste kamen noch in den Rucksack.

Saisonauftakt

Es war ein Donnerstag, als uns die Nachricht erreichte. „Die Sauen sind im Mais!“, schrieb unser Jagdaufseher Patrick nur kurz und knapp in unsere WhatsApp-Gruppe. Wir hatten eigentlich gehofft, dass dieser Kelch an uns vorbeiziehen würde, denn immerhin hatten wir den Mais frühzeitig mit Elektrodraht eingezäunt, den Zaun regelmäßig von störenden Grashalmen freigeschnitten und auch sonst noch alle möglichen Maßnahmen der Vergrämung vorgenommen. Doch wie heißt es immer so schön: Wenn die Sauen in den Mais wollen, dann gehen sie rein – egal, ob mit Elektrozaun oder ohne.

Nun gut, wir hatten uns ohnehin für das Wochenende angemeldet, dann sollte ich wohl mal besser die bereits für die anstehende Drückjagdsaison vorbereiteten Hundewesten und die Schnittschutzhose mitnehmen. Ein wenig sorgenvoll schaute ich mir noch die Wettervorhersage an, heiß und schwül sollte es werden, genau das „richtige Wetter“, um den Tag im stickigen Maisfeld zu verbringen. Für die Hunde würde ich gut vorsorgen müssen, damit sie nicht Gefahr liefen, bei ihrer Arbeit zu überhitzen. Doch Gott sei Dank ist es nur ein einziges Maisfeld, durch das wir durchmüssen, und wir werden erwartungsgemäß damit in ein bis zwei Stunden fertig sein. Schnell holte ich noch die großen Wasserkanister heraus, die wir von unserem letzten Campingausflug besaßen, und bereits am nächsten Tag ging es mit der ganzen Familie los in unser Jagdrevier in den Hunsrück.

Endlich Wochenende!

Am Freitag erreichen wir spätnachmittags den Hunsrück. Nach dem Wochenendeinkauf fahren wir noch rasch an das Maisfeld, um uns selbst davon zu überzeugen, was uns berichtet wurde. Der Zaun führte Strom, die Wechsel – zwischen den beiden eigens aufgestellten Drückjagdböcken gelegen – waren gut befahren, und zahlreiche Schneisen führten durch den Zaun in den Maisschlag hinein. Das deutete unzweifelhaft auf ärgerlichen Schaden, aber auch möglicherweise auf einen spannenden Samstagvormittag hin. Vielleicht die kopfstarke Rotte, die ein englischer Jagdgast ein paar Wochen zuvor im angrenzenden Waldgebiet vorgehabt hatte? Na ja, wir würden sehen.

Am Samstagmorgen treffen wir uns in gewohntem Kreis. Patrick und ich stehen draußen auf den beiden Drückjagdböcken, Ilka, unser Sohn Johannes, Marcel, unser zweiter Jagdaufseher, und Mario, ein Hundeführer, machen sich unten beim Dorf, an der Unterseite des großen Maisschlages, fertig. Die Sonne brennt, und so haben wir, nachdem vorsorglich der Strom abgeklemmt wurde, Wassertröge rund um das Maisfeld verteilt, falls sich Mensch und Tier, aus dem Höllenklima tief drin im Mais herausgekommen, abkühlen wollen. Patrick und ich stimmen uns wegen des Schussfeldes ab – es besteht kein Risiko, dass wir uns versehentlich gefährden könnten.

Erste Vorbereitungen

Wir hatten uns für Samstagmorgen um 9.00 Uhr verabredet – noch vor der großen Tageshitze. Patrick hatte bereits den Strom abgestellt, und wir hatten noch schnell rund um den Mais drei große Maurerwannen mit frischem Wasser aufgestellt. So würden die Hunde immer Zugang zu frischem Wasser haben und könnten zwischendurch auch ein kühles Bad nehmen, falls sie zu sehr überhitzten.

Die Truppe war überschaubar: Zwei Schützen und vier Treiber, doch der Maisschlag ist auch nicht riesig, und es gab eigentlich nur zwei Positionen, an denen die Sauen erfahrungsgemäß in den Wald überwechseln. Mein Mann Oliver und Patrick wollten sich dort aufstellen, während ich den kleinen Treibertrupp – bestehend aus dem ortsansässigen Hundeführer Mario, der uns noch mit drei Terriern unterstützte, unserem zweiten Jagdaufseher Marcel und unserem Sohn Johannes – anführte. Unsere beiden Hunde Abby und Birdy waren mit von der Partie, die es angesichts der Tatsache, dass ich die Drückjagdwesten mit ins Auto eingepackt hatte, kaum mehr aushalten konnten, dass es endlich wieder losging.

Das Maisfeld ist ein lang gezogener Acker von ca. 300 Meter Breite und ca. 600 Meter Länge. Der Acker beginnt kurz hinter dem Ortsrand, zieht sich dann der Länge nach eine kleine Kuppe hoch und endet schließlich am Waldrand. Wir stellten uns entlang der kurzen Seite an, ungefähr alle 50 Meter ein Treiber – enger ging es leider nicht, dafür waren wir einfach zu wenige. Doch vielleicht würde uns ja das Glück hold sein, und es sollte uns gelingen, die Sauen aus dem Mais zu treiben.

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