Schätze des Winters
| Text: Ilka Dorn |
Wenn die Natur zur Ruhe kommt und viele Pflanzen längst verblüht oder abgeerntet sind, übernehmen Wildfrüchte eine besondere Rolle. Sie sichern zahlreichen Tierarten das Überleben, bereichern die heimische Küche und erinnern daran, wie wertvoll Hecken, Feldgehölze und Waldränder für die biologische Vielfalt sind. Ein Streifzug durch die faszinierende Welt der heimischen Herbst- und Winterfrüchte.
Wildfrüchte aus Wald und Feld
Wenn der erste Frost die Landschaft überzieht und die meisten Bäume längst ihre Blätter verloren haben, scheint die Natur in den Winterschlaf gefallen zu sein. Felder wirken kahl, Hecken durchsichtig und Wälder still. Doch der Eindruck täuscht. Gerade jetzt fallen sie besonders ins Auge: leuchtend rote Hagebutten, tiefblaue Schlehen oder die orangefarbenen Früchte der Eberesche. Sie trotzen Wind, Schnee und Frost und gehören zu den letzten natürlichen Nahrungsquellen des Jahres. Für zahlreiche Vögel und andere Wildtiere sind sie überlebenswichtig. Gleichzeitig bieten sie auch dem Menschen eine überraschende Vielfalt an kulinarischen Möglichkeiten.
Während viele Kulturpflanzen längst abgeerntet sind, beginnt für manche Wildfrüchte erst jetzt die eigentliche Saison. Einige entwickeln ihr volles Aroma sogar erst nach den ersten Frostnächten. Ein winterlicher Reviergang durch Wald und Feld kann deshalb nicht nur Naturerlebnis, sondern auch eine Entdeckungsreise zu alten Nutzpflanzen sein, deren Bedeutung heute vielfach in Vergessenheit geraten ist.
Lebensretter im Winter
Für Wildtiere sind Früchte im Winter weit mehr als eine willkommene Zwischenmahlzeit. Sie liefern wertvolle Energie in einer Zeit, in der das Nahrungsangebot knapp ist. Besonders Vögel wie Amseln, Wacholderdrosseln, Rotkehlchen oder Seidenschwänze profitieren von den vitaminreichen Beeren. Aber auch Säugetiere wie Fuchs, Dachs oder Marder nutzen das Angebot, sofern die Früchte für sie erreichbar sind.
Selbst Rehwild und Rotwild nehmen je nach Region Hagebutten, die wintergrünen Blätter der Brombeere oder die Früchte des Weißdorns auf. Sie ergänzen den winterlichen Speiseplan und helfen den Tieren, die kargen Monate gut zu überstehen. Gleichzeitig trägt das Wild dazu bei, die Samen der Wildgehölze zu verbreiten und deren natürlichen Fortbestand zu sichern. Hecken übernehmen dabei gleich mehrere wichtige Aufgaben: Sie liefern Nahrung, bieten Schutz vor Wind und Witterung und dienen zahlreichen Vogel- und Säugetierarten als sicherer Rückzugsort. Damit zählen artenreiche Feldhecken zu den wertvollsten Lebensräumen unserer Kulturlandschaft.