Sitka Steelheads

| Text: Simon K. Barr |

Als ich mich durch den Urwald am Ufer einer der vielen Flüsse auf Baranof Island in Alaska kämpfte, wurde mir klar: Es war eine meiner besseren Ideen gewesen, mit dem Besitzer eines der größten Jagd- und Fischereigeschäfte der Welt auf Abenteuersuche in der Wildnis zu gehen …

Die Reise hatte mit dem Flug nach Houston, Texas, begonnen. Dort traf ich Russell Gordy und seinen Sohn Garrett, die Gründer von Gordy & Sons, mit denen ich im Südosten von Alaska Steelheadforellen [ana-drome, also zur Laichablage flussaufwärts schwimmende Wanderform der Küsten-Regenbogenforelle, Oncorhynchus mykiss irideus, und der Redband-Regenbogenforelle – Anm. d. Red.] fischen wollte.

Ihr weithin bekanntes Geschäft liegt nur ein kleines Stück außerhalb von Houston. Gordy & Sons haben den Anspruch, jedermann für jede erdenkliche Jagd- oder Fischfangreise an jedem Ort der Welt mit erstklassiger Ausrüstung und Kleidung versehen zu können. Da ich das Glück habe, die Welt mit Büchse, Flinte und Angelrute zu bereisen, kann ich ehrlich beurteilen: Diesem Anspruch wird das Haus mehr als gerecht. Welch besseren Beginn für eine Reise kann man sich also vorstellen, als von leidenschaftlichen Jägern und Anglern durch dieses Geschäft geführt zu werden, zumal von solchen, die meine Bedürfnisse exakt einschätzen können? Es war ein wunderbarer, glücklicher Nachmittag, der in einem ausgiebigen Rutentest im hauseigenen „Casting Pool“ gipfelte und im Endeffekt zu einem gewissen Übergepäck führte. Angenehmerweise bestand dies aus elf Fuß langen Ruten von Hardy samt zugehörigen Rollen, sodass ich für diese Reise ein wenig britisches Erbe als meinen Begleiter wusste.

Der Flug führte über Zwischenstopps von Houston nach Sitka, Alaska. Im Anflug öffnete sich ein klarer Himmel, der den Blick auf diesen bewundernswerten Archipel freigab. Sitka, auf Baranof Island gelegen, gehört zu jenem Teil Alaskas, den die USA in den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts von Russland gekauft hatten. Man sieht das allenthalben am Stadtbild, an russischen Straßennamen sowie einer russischen Kirche mit Zwiebeltürmen, genauso aber auch an den Dingen, die Sitka reich gemacht haben: Walfang und Pelzhandel. Einer der beeindruckendsten Anblicke waren die Seeadler: Dieser stolze Vogel, das Wappentier der USA, hat in Sitka so überhandgenommen, dass der Bestand beinahe Schädlingsniveau erreicht hat. Regelmäßig sah ich Adler, die auf der Suche nach Nahrung selbst vor Mülltonnen in Hinterhöfen und Seitenstraßen keinen Halt machten.

Wir hatten uns auf der „Adventurous“ eingeschifft, einem 17-Meter-Boot mit acht bequemen Kojen. Sie fährt unter dem Kommando eines der unterhaltsamsten Menschen,
die ich je kennengelernt habe: Travis Peterson. Zur Crew zählten der hervorragende Schiffskoch Kristen Seaman sowie „Weck“, Maat und Fisch-Guide in Personalunion, der schon seit Jahren mit Travis zusammenarbeitet. Wir waren vier Fliegenfischer an Bord: Russell und Garrett Gordy, Chance Yarbrough aus Texas, namhafter Jagd- und Naturmaler, ein Naturmensch, zu Hause in jeder Form von Wildnis, und ich.

Wann immer sich die Möglichkeit ergab, wollten wir von unseren Fängen leben. So warfen wir kurz nach dem Ablegen unsere Leinen nach Königslachs und Heilbutt aus. Sie würden sicher köstlich schmecken, aber der Fliegenfischer-Snob, der ich nun einmal bin, sah mit Verachtung auf die Hochsee-Rigs, die wir auslegten: Was sollte das schon für ein Sport sein? Ich lag grundlegend falsch. Diese Monster der Tiefe kämpften hart und ausdauernd, boten Drama und Anglerglück in großem Maß, bevor wir sie keschern konnten. Weiter draußen tobte die See, so waren wir auf die Bay angewiesen und konnten nicht weiterfahren, dorthin, wo forellenreiche Flüsse ins Landesinnere führten. Mir war es recht: Der erste Tag auf Heilbutt und Königslachs war faszinierend. Die streng geregelte Quote auf Heilbutt war rasch ausgeschöpft und reichte für weit mehr als nur ein Abendessen. Es war ein großer unter den ersten Tagen, und meine Liebe für die Fischwaid auf See war neu entfacht.

Tag 2 zog herauf und mit ihm besseres Wetter. Die bessere Sicht stellte nicht nur die Fahrt zu den Forellenflüssen in Aussicht. Sie gab auch den Blick auf die Nebelfontänen blasenden Buckelwale frei. Es war ein seltsam berührendes Schauspiel, diese majestätischen Kreaturen zu beobachten, wie sie mit ihren Fluken die See schlugen, vor einer Kulisse, die so sehr an Schottland gemahnt – wenn auch in erheblich größerem Maßstab. Letztlich war das keine Überraschung, lagen wir doch auf der gleichen Breite wie Schottland. Als wir uns dem ersten Forellenfluss näherten, warfen wir Shrimp-Reusen aus, beködert mit den Resten unseres Heilbutt-Dinners.

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