„So wird die Geschichte weitergetragen – das ist das Schönste an meinem Beruf“

| Text: Annette Feldmann |

Huberta Sturzeis ist Goldschmiedemeisterin und arbeitet im familieneigenen Unternehmen Halder – dem ältesten Jagdschmuckhersteller Österreichs. HALALI-Redakteurin Annette Feldmann hat sich mit ihr unterhalten.

Zunächst hat Huberta Sturzeis „ganz normal“ eine Lehre zur Goldschmiedin gemacht und danach mehrere Praktika, unter anderem in Deutschland, absolviert. Dabei sammelte die heute 27-Jährige Erfahrungen in unterschiedlichen handwerklichen Sparten und als Silberschmiedin. „Außerdem habe ich ein Jahr Design in St. Pölten studiert, um die künstlerische Seite meines Handwerks besser kennenzulernen“, sagt Sturzeis. Heute steht sie gleichberechtigt an der Seite ihrer Mutter Katharina Sturzeis im Geschäft, wobei ihr Schwerpunkt auf Entwurf und Umsetzung von Jagd- und Trachtenschmuck aus Gold und Silber liegt.

Die Jagd liegt der jungen Österreicherin sozusagen im Blut: „Ich bin mit der Jagd aufgewachsen, meine Eltern jagen beide, und die Jagd war und ist für mich immer präsent.“ Mit 18 Jahren hat sie selbst den Jagdschein gemacht, und wenn sie Zeit findet, geht es auf Reh- oder Schwarzwild in den niederösterreichischen Revieren ihrer Eltern oder ihres Freundes.

An ihrer Arbeit in der Werkstatt schätzt Huberta Sturzeis, dass sie sieht, „wie unter meinen Händen etwas entsteht und immer weiterwächst“. Für sie ist es das Gegenteil eines reinen Bürojobs, den sie als „leere Arbeit“ bezeichnet. „Ich sehe am Ende des Tages, was ich getan und was ich geschaffen habe.“ Nicht nur das „Hinterher“, sondern vor allem das „Währenddessen“ macht für Huberta Sturzeis den Reiz ihrer Tätigkeit aus. „Ich verbringe etwa ein bis zwei Tage in der Woche in der Werkstatt und bin dort handwerklich kreativ. Ich liebe dieses handwerkliche Arbeiten! Das ist für mich fast wie eine Therapie; die Arbeit nur mit meinen Händen erfüllt mich voll und ganz“, sagt sie. Doch natürlich gehört auch Schreibtischarbeit zu ihrem Aufgabengebiet im Juweliergeschäft.

Das Sortiment bei Halder ist groß und umfasst neben Jagd-, Trachtenschmuck und Jagdabzeichen auch ganz „normalen“ Schmuck, also beispielsweise Ehe- und Verlobungsringe, Silberschmuck, Armreifen, Ketten und Ohrringe. Alle Schmuckstücke und Accessoires werden bei Halder in der eigenen Werkstatt von Hand gefertigt. Der klassische Jagdschmuck wurde zudem weiterentwickelt und hat neben bewährten Klassikern neue Wege gefunden. „Je ungewöhnlicher und persönlicher eine Aufgabenstellung, desto lieber ist sie uns“, sagt Huberta Sturzeis und erklärt den Ablauf: „Ein Jäger bringt eine Trophäe oder Grandel, und wir schauen, was gewünscht ist, überlegen gemeinsam das Design. Diese kreative Arbeit, dieser Prozess ist wunderbar.“ Zudem erzähle jede Trophäe eine eigene Geschichte, die im Wald oder Gebirge bei der Jagd passiert sei. „Das ist etwas ganz Wertvolles, denn jede Geschichte ist auf ihre Weise schön und spannend“, betont Sturzeis. „Es ist so nett, eine Geschichte zu erfahren und sie dann veredeln zu dürfen. So wird die Geschichte weitergetragen, am Hut, am Revers, als Ohrring – und das ist das Schönste an meinem Beruf.“

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