Tanja Brandt berührt mit ihren Tierfotos

| Text: Gabriele Metz |

Ihre Verbindung zu Tieren ist außergewöhnlich, ihr Umgang mit der Kamera meisterhaft. Tanja Brandt lebt ihre Leidenschaft, glaubt fest an Träume und rettet dabei auch noch verletzte Wildtiere.

37 Euro. Mit dieser Summe gründete Tanja Brandt ihr Speditionsunternehmen. Als Lkw-Fahrerin gab sie jahrelang alles. Bis zu dem Tag, an dem sie ein Schlaganfall aus dem aktiven Alltag riss. Keine Sprache mehr. Motorische Störungen. Zeit für einen Wendepunkt. „Ich verabschiedete mich vom Leben auf der Überholspur und beschloss, von nun an etwas Entspannendes zu machen“, erinnert sich die zurzeit in Remscheid lebende 54-Jährige, die damals parallel zu ihrer Arbeit auch noch den Jagd- und den Falknerschein machte. Sie entdeckte die Fotografie für sich. Draußen, in der Natur. Ihr Lieblingsmotiv? Tiere. „Tiere faszinieren mich, seitdem ich denken kann. Insbesondere Greifvögel, Raubkatzen und Hunde. Ich glaube, ich spreche ihre Sprache“, sagt die engagierte Tierschützerin, der es weitaus wichtiger ist, einen Mäusebussard mit einem gebrochenen Flügel zu retten, als unternehmerischen Erfolg zu verbuchen. Die Fotografie half ihr dabei, die Sprache wiederzufinden und ihre Motorik zurückzugewinnen. Tanja Brandt gesundete an ihrer neuen Passion.

Poldi

Heute steht eine starke Frau vor mir, die gleichzeitig eine ganz besondere Sensibilität ausstrahlt. So selbstbewusst sie ist, wenn sie die schwere Kamera mit dem Teleobjektiv stemmt oder in einer Feldfurche im Schlamm liegt, so feinfühlig – ja fast schüchtern – wirkt sie im Gespräch. Und sobald es um ihre Tiere geht, intensiviert sich das Gefühl, einen sensiblen, einfühlsamen Menschen vor sich zu haben, der selbst feinste Schwingungen wahrnimmt. Als sie von ihrem Steinkauz Poldi spricht, schimmern Tränen in ihren Augen: „Poldi veränderte unser Leben. Also das von meinem Malinois-Rüden Ingo und mir. Er zeigte uns so viel und prägte uns mit seiner Größe. Er gab Ingo eine Aufgabe, die ihm vorher fehlte. Und Ingo wandelte sich von einem sehr zornigen, nervösen Hund hin zu einem wundervollen Vierbeiner. Wir haben so viel gemeinsam erlebt. Es ist so schwer zu verstehen, dass er nicht mehr da ist.“ Poldi verstarb vor einigen Jahren an den Folgen eines Unfalls.

Doch Poldi ist nach wie vor präsent im Leben von Tanja Brandt. Und seine Fangemeinde wächst ungebremst. Kein Wunder, denn die zauberhaften Momente, die die Fotografin mit der Kamera eingefangen hat, zeigen Poldi in allen erdenklichen Lebenslagen. Mal vor dicken Regentropfen Schutz suchend unter dem Hut eines Fliegenpilzes. Mal Seite an Seite mit Malinois Ingo. Oder vertrauensvoll auf den kräftigen Pfoten des Belgischen Schäferhundes kauernd.

Albi

Doch Poldi hat inzwischen auch Konkurrenz bekommen. Steinkauz-Konkurrenz: Albi. Das Steinkauz-Weib brütet gerade stolz auf sieben kleinen Eiern. „Doch leider wird daraus nichts“, sagt Tanja Brandt traurig und streichelt Albi sanft über das zart gefiederte Köpfchen. Die Eier sind leer. Es gibt keine Küken. Die beiden verbindet eine dramatische Geschichte. Bei einem Mauswiesel-Angriff auf das Steinkauz-Gelege überlebte nur Albi, damals selbst erst wenige Tage alt. 

„Sie war ein kleiner Blutklumpen. Ich wusste nicht einmal, ob sie noch Augen hat“, erinnert sich Tanja Brandt. Entgegen allen Empfehlungen der Tierärzte ließ die Tierretterin den kleinen Kauz nicht einschläfern, sondern hegte und pflegte ihn rund um die Uhr, bis Albi schließlich tatsächlich Lebenswillen zeigte. „Wir waren gerade bei meiner Tierärztin, um Albi doch erlösen zu lassen, als sie sich plötzlich regte und in meine Richtung kroch. Da nahm ich sie wieder mit“, erzählt Tanja Brandt. Heute ist Albi ein wunderschöner Steinkauz mit großer Fangemeinde. Sie teilt sich ihr Gehege mit Steinkauz Sigi, den Tanja auch gerne „meinen ADHS-Sigi“ nennt, weil er ein ausgesprochen umtriebiger Zeitgenosse ist.

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